Erste „iPad Absolventen“ verlassen die Schule

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4 Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, in denen wir wie die Pioniere mit unseren ersten iPad-Klassen gestartet sind. Eine spannende Zeit, da wir vollkommen auf uns selbst gestellt, lernen mussten Bildung und Digitalisierung zu leben und zu denken. Um es vorweg zu sagen, wir haben keinen Tag bereut. Sicher sind nicht alle Blütenträume gereift, die Grundrichtung stimmt aber immer noch und in vielen Bereichen konnten wir den Unterricht anders gestalten. Diesen Prozess wollen wir weiter gestalten und natürlich optimieren. Ein Meilenstein ist dabei unsere Mitarbeit im Forum Bildung Digitalisierung, um von anderen Schulen zu lernen. Ein weiterer Meilenstein könnte die regionale Vernetzung mit interessierten Schulen aus MV sein, ein Anschub dazu erfolgt im September.

Positiv überrascht war ich von den Verteidigungen der Jahresarbeiten unserer Zehntklässler. Mit welcher Routine die Vorträge mittels iPad präsentiert wurden, ließen die LuL innerlich feiern. Allein deshalb hatte sich die Investition der Eltern in die Geräte gelohnt. Kreativ sein kann man natürlich auch noch „analog“. Ich fand es toll, dass ein Schüler bei der Verteidigung seiner Jahresarbeit in kompletter Feuerwehrmontur erschien. Engagement und ehrenamtliche Tätigkeit in der Freizeit sind nach wie vor und insbesondere in einer digitalisierten Welt für ein funktionierendes Gemeinwesen nötig.

 

Verteidigung Jahresarbeit

Für die Vorbereitung und Umsetzung der Arbeit hatte ein Großteil auch ihr iPad genutzt. Beim Schreiben längerer Texte (ca. 10 Seiten für die Jahresarbeit) zeigen sich aber auch die Grenzen der mobilen Geräte. Eine Tastatur ist in diesem Falle ein Muss! Der gewohnte Kompromiss, welcher über 4 Jahre auch unsere Windows-Desktop Rechner im PC-Raum mit einschloss, hatte die meisten Schüler aber auch diese Hürden umschiffen lassen. Im PC-Raum läuft ausnahmslos Open-Source Software auf den Computern, so dass Dateiformate für den plattformübergreifenden Austausch ständiges Thema sind. Dies ist dann auch ein weiterer Punkt, den unsere Schüler nach 4 Jahren verinnerlicht haben sollten. Darüber hinaus haben alle gemerkt, dass es nach wie vor auf die Inhalte ankommt, um Tablets, Handys und Co. nicht als reine Spielgeräte zu nutzen, sondern mit diesen produktiv tätig zu sein. An diesem Punkt kann Lernen dann auch wieder aufwändig werden.

Auf Struktur und Nachhaltigkeit kommt es nach wie vor an. Reine „Spaßpädagogik“ wird auch mit dem Einsatz digitaler Geräte scheitern. Aus meiner Sicht muss sich aber unbedingt an den Prüfung- und Bewertungskriterien in Schule etwas ändern. Wir können nicht erwarten, dass ein eigentlich auf dem preußischen Schulsystem fußendes Modell in das neue Zeitalter von Bildung und Digitalisierung passt. Dies wird uns von offizieller Seite immer noch aufgezwungen. Da die LuL für die offiziellen Schulabschlüsse zuständig sind und Prüfungen nach den BM-Vorgaben abnehmen, müssen wir uns diesem Diktat aber unterwerfen. Es gilt also auch an offizieller Stelle umzudenken.
Wir haben es temporär versucht, diese Strukturen mit unseren Forscherwochen aufzubrechen. Zweimal im Schuljahr lernen die Schüler nach eigenen Wochen- und Tagesplänen sich selbst zu strukturieren und ein Lernprodukt zu erstellen. In diesen Phasen steht die Portfolioarbeit und die Selbstevaluation im Vordergrund. Die Arbeit mit den iPads schafft dabei Freiräume für individualisiertes aber auch kollaboratives Arbeiten. Hier arbeiten wir daran, für die Evaluation noch mehr Papier zu verdrängen.

An diesem Punkt merkt man aber auch, dass es von Seiten des Landes immer noch keine Unterstützung für die wenigen Vorreiter auf dem Weg des mobilen Lernens gab. In anderen Bundesländern gibt es bereits Lernplattformen wie mebis u.ä., in Mecklenburg-Vorpommern Fehlanzeige. Einzig der Versuch auf MasterTool von co.Tec zu setzen, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Dies ist aber ein grundsätzliches Problem im deutschen Schulwesen, welche uns Lehrer dann auch zu genialen Tools der Global Player wie Google, Apple, Microsoft und Co. greifen lässt. Es gibt funktionierende Tools, die auch im Unterricht Sinn machen. Dies wird auch die angekündigte Schulcloud nicht lösen können, zumal die digitale Infrastruktur an vielen Schule nicht stimmt. Eine hybride Anbindung macht hier aus meiner Sicht mehr Sinn.

Unseren Absolventen, welche an diesem Freitag ihre Zeugnisse erhalten, möchte ich hier noch einmal danken, dass sie den Weg mit uns gegangen sind. Ihr werdet als Pioniere einen besonderen Platz in unserer Schulchronik einnehmen. Viele schöne Exponate, Projekte und Auszeichnungen werden diese 4 Jahre unvergesslich machen. Viel Erfolg auf eurem weiteren Weg.

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