Fazit 2014: 17 Monate lernen mit dem iPad

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Seit mittlerweile 17 Monaten ist unsere Schule in 4 Klassen mit iPads unterwegs. Es ist also mal wieder Zeit ein Fazit zu ziehen. Wir sind immer noch die einzige staatliche Schule in Mecklenburg-Vorpommern, welche auf dem Weg zur „Digitalen Schule“ konsequent auf eine 1-zu-1-Lösung mit Tablets setzt. Dabei kostet es uns weiterhin viel Mühe die IT-Infrastruktur weiterzuentwickeln, um unser Projekt weiter voranzutreiben. Erfreulich ist, dass sich aus unserem Netzwerk „Auf dem Weg zur Medienschule“ weitere Schule auf den Weg gemacht haben. Die Bernstein-Schule Ribnitz-Damgarten, die Arndt-Schule-Greifswald und das Hansa-Gymnasium-Stralsund installierten jeweils einen iPad-Wagen für den Unterricht. Das ist doch einmal ein Anfang und kann wirklich für einen Schub in puncto neuer Lernkultur sorgen. Nach meiner Fortbildungsveranstaltung in Rostock sind auch aus dieser Region ebenfalls Interessensbekundungen bei mir eigegangen.

Als Glücksfall hat sich die Kooperation mit der Universität Greifswald erwiesen. Ein junger Kollege unterrichtet mit einer halben Stelle bei uns und gewinnt gleichzeitig wichtige Eindrücke für seine Forschungsarbeit. Nur was man selber tut, kann man auch richtig einschätzen und Erkenntnisse daraus gewinnen. Oftmals lassen wissenschaftliche Studien den normalen Schulalltag außen vor und betrachten vieles aus einer abgehobenen Labor-Position. Letzten Endes hat jede Studie einen Auftraggeber, welcher oftmals mit deren Hilfe seine Positionen durchsetzen will. Studien interessieren mich schon seit geraumer Zeit nicht, denn unser Kollegium vor Ort muss sehen, dass es den Alltag in Schule bewältigt. Neuerungen gab es in den letzten 25 Jahren im Schulsystem von Mecklenburg-Vorpommern mehr als genug, einige hielten dabei nicht mal ein ganzes Schuljahr. Im Moment ist die Hattie-Studie das Non-plus-Ultra, was mich im Zuge der Durchsetzung von Inklusion an unseren Schulen nicht wundert. Dabei inkludieren wir an unserer Schule schon seit Jahren und zunehmend mehr. Beim zentralen (für mich nachvollziehbaren) Denkansatz von Hattie „Die Lehrerpersönlichkeit spielt die wichtigste Rolle“, ist Bildung trotzdem nicht zum Nulltarif zu haben. Ein Patentrezept scheint es ohnehin nicht zu geben, dafür ist unsere Lebenswelt ständiger Veränderung unterworfen. Diesen ganz „normalen Wahnsinn“ bekommt unser junger Kollege auch mit und kann sich sein Urteil darüber bilden. Wichtiger für mich war zweifelsohne die IT-technische Unterstützung durch ihn. Mit zunehmender Schülerzahl sind Probleme auf diesem Gebiet nicht mehr von einer Person zu stemmen. Stefan, vielen Dank für deine Unterstützung.

Einer Studie haben wir uns dann aber doch freiwillig unterworfen. Frau Dr. Schweder von der Erziehungswissenschaft der Universität Greifswald forscht mit ihren Studenten und uns an der Entwicklung neuer Lernkonzepte unter besonderer Berücksichtigung des iPads. Dabei sind die „Forschertage“ langsam zum Bestandteil unserer Lernkultur geworden. Die beiden 8.Klassen haben zweimal zum Thema Geschichte bzw. Mathematik geforscht und fokussieren sich langsam auf das Thema Sprachen. Im Januar starten unsere 7.Klassen in die Forschertage „Geschichte“. Beim forschenden Lernen und der Präsentation in Form einer Ideenbörse kam das iPad in verschiedenen Szenarien zum Einsatz. Durch eine Tutorenschulung ausgewählter Achtklässler erreichten wir Ende 2014 ein neue Qualität. Diese Tutoren brachten sich bei der Vorbereitung der Forschertage in Klasse 7 ein und unterstützten die „Neulinge“ bei der Arbeit. Sicher gibt es aus Lehrersicht immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber der Weg zeigt in die richtige Richtung.

Darüber hinaus gab es im täglichen Unterrichtsbetrieb viele erwähnenswerte Beispiele für den Einsatz des iPads.

  • einen Podcast im Sprachunterricht
  • Lernen mit einen digitalen Lernplattform iTunes U
  • viele gelungene Präsentationen in Biologie, Geschichte, Physik, Musik, Chemie etc.
  • die Hour of Code – im Rahmen der weltweiten Code Week
  • Kommunikation Lehrer-Schüler per Email
  • Datenschutz, Medienkritik, Cybermobbing als Themengebiete mit Praxisteil ohne lange auf Termine für den Computerraum zu warten
  • Medienbibliografie und Gaming mit der Computerspieleschule Greifswald 
  • Visualisierung mathematischer Probleme mit ihren Lösungen
  • Trickfilm-AG nimmt an 2 Filmfestivals teil

Ich freue mich schon auf neue Lernprodukte in 2015. Übrigens gibt es auch immer noch die analoge Möglichkeit für jeden Schüler, um eventuelle technische Hürden zu umschiffen oder schneller handschriftlich seine Gedanken zu Papier zu bringen. Ein Foto vom Ergebnis tut es dann auch.

Zertifikat einer Teilnehmerin

 

Hörtexte vom iPad
Hanseforscher

Das iPad-Projekt wird auch im kommenden Jahr weitergeführt, dann hoffentlich mit einem dritten Jahrgang in der kommenden Klasse 7. Wir denken damit unseren Schülern einen konstruktiven Zugang zu digitalen Medien für den Fachunterricht zu ermöglichen. Wir werden dabei auch bei unserem Modell mit den iPads bleiben, da eine heterogene Geräte-Lösung zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv für den Lernerfolg wäre. Schließlich soll nicht das technische Gerät (mit seinen „Macken“) im Mittelpunkt stehen, sondern das Lernen mit digitalen Medien an sich. Bei einer 1-zu-1-Lösung sollte sich die entsprechende Schule zunächst für ein Gerät entscheiden. BYOD ist damit natürlich nicht realisiert, ein Schritt auf dem Weg dorthin ist es aber allemal. Dafür wird meiner Meinung nach auch zusätzliches Geld notwendig sein, um eine versierte informationstechnische Kraft an der jeweiligen Schule zu installieren, welche die täglichen Hindernisse aus dem Weg räumt.

Ich wünsche allen Mitstreitern und Lesern dieses Blogs ein gesundes neues Jahr.

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